Die Gebiete in Caldrien > Das Caldrische Imperium
Das Laviniakloster in Blanchefleur
Vanion:
Vanion war verblüfft. Er hatte Yorik für impulsiv gehalten, aber nicht für dämlich. "Schmeiß nicht das weg, was du zum Leben brauchst." Vanion bückte sich, um das Geld aufzuheben. Obwohl er selbst den Sold gar nicht erst genommen hatte, sagte er: "Du bist Lorainne zu nichts verpflichtet. Wenn du ihr helfen willst, dann benutz das Ding, das zwischen deinen Ohren hängt, zum Denken." Vanion setzte nicht viel Hoffnung in diese Kiste, hatte er sie doch eingehend untersucht. Aber wer wusste schon, was anderen Augen auffallen würde? 'Zehn Augen sehen mehr als zwei', das hast du selbst noch gesagt in diesem Wald. "Nun kommt schon, ihr seht hungrig aus." Vanion warf einen Blick über die Gruppe, dann bugsierte er sie in die Küche. Höchstselbst machte der Knappe einen Topf dicke Zwiebelbrühe warm, der von gestern übriggeblieben war. Während die Suppe köchelte, dachte Vanion nach. Schließlich schaute er Yorik und auch Boniface an - der Knabe (denn obwohl nur wenige Jahre jünger als Vanion, erschien er ihm sehr jung) strahlte eine gewisse Intelligenz und auch Bauernschläue aus. "Yorik, ihr seid unhöflich. Boniface kenne ich, auch Otus und Euch. Aber wer ist die Dame?"
ZuMe:
Ungewöhnlich still heute verlagerte Zume ihr Gewicht von dem einen verletzten Bein auf das andere. Unverständlichkeiten...
Sie wünschte sich ihren Speer, und sei es auch nur, um sich darauf abzustützen. Unwillkürlich sah sie sich nach Otus um. Es war seltsam gewesen, zwei Tage hinter einem Mann im Sattel zu sitzen, den sie so gar nicht kannte. Er schien ihr ein ruhiger, beherrschter Mensch zu sein, jemand, den kennen zu lernen Zeit brauchen würde. Riecht ganz gut, der...
Yoriks Enttäuschung und Frustration dagegen lagen so offen auf seinem Gesicht wie fast alle seine Gefühle; so offensichtlich als würde man die Spuren einer nahen Beute an einem Schlammloch betrachten. Sind doch alle unterschiedlich, auch wenn sie so gleich aussehen und scheinbar alle irgendwelchen Regeln folgen. Wie bei einem komplizierten Ernte-Tanz....
"Was machtn'n Knappe überhaupt so'n ganzen Tag?" fragte sie unvermittelt dazwischen. Ob er wohl so eine Art Papier-Sortierer war? Möglich wäre es.
Yorik:
Trotz all seinem Frust musste Yorik unwillkürlich schmunzeln. Zum einen aufgrund von Zumes vollkommen unpassenden Zwischenrufs, zum anderen aufgrund des Ausdrucks "Dame". Yorik hielt große Stücke auf Zume und es gab viele Worte, mit denen er sie beschrieben hätte, aber "Dame" gehörte mit Sicherheit nicht dazu. "Verzeiht mir Vanion, ich dachte, Ihr würdet Euch bereits kennen. Dies ist Zume, eine große Kriegerin aus dem Drachenrückengebirge in Silvanaja. Sie hat im Fôret d'Artroux mit uns gegen die Szivarsbrut gekämpft."
Vanion:
Bei den Göttern - ich selbst in jung, ein kleiner, junger Firngarder, eine 'große Kriegerin', die nichtmal Knappen kennt, und auch noch Valkensteiner dazu. Da lacht doch jemand über mich.
"Nun, ihr wollt Lorainne finden. Hier habt ihr ihre tote Schwester." Und Marie. "Sie starb bei dem Brand der Bibliothek. Ihr bringt mir eine Kiste mit, und.." Vanion unterbrach sich. Es würde rein gar nichts bringen, diese Leute auszulachen. Überrascht stellte der Knappe, der selbst noch ein junger Mann war, fest, wie schnell ein Wappen jemanden arrogant machen konnte. "Diese Truhe ist die einzige Spur, die wir haben." Gemeinsam lasen die um den Küchentisch sitzenden Männer und Frauen die Dokumente. Wer nicht lesen konnte, dem wurde vorgelesen. Doch das ganze brachte gar nichts, niemandem schien etwas einzufallen. Gedichte (die Vanion sülzig und einfach schlecht fand), Karten und Zeitungsartikel. Versonnen spielte Vanion mit einer alten, malträtierten Ritterfigur herum, die sie ebenfalls in der Truhe gefunden hatten. Er wusste, woher diese stammte, doch wusste er genauso, dass das nichts war, was ihnen helfen würde - und erst recht nichts, was diese Leute erfahren sollten.
Yorik:
Yorik ließ den Kopf auf die Tischplatte fallen. Es war niederschmetternd. Wie besessen hatten sie in der vergangenen Stunde die Dokumente studiert und nichts, rein gar nicht erfahren. Noch dazu kam, dass keiner der Leute, die Yorik und seine Gefährten auf dem Ritt hierhin nach Lorainnes Entführern gefragt hatten, etwas gesehen haben wollte. Sogar ein paar der Leute im Kloster hatten sie gefragt, doch auch hier: Nichts. Sie tappten im Dunkeln wie komplette Idioten. Yorik wollte gerade aufstehen und sich einen Becher Wasser holen, da ging die Tür auf und ein kleines Kind kam tapsig in den Raum gekrabbelt. Yorik ging in die Hocke, während das Kind, offenbar ein Mädchen, das höchstens einen Winter erlebt hatte, sich unbeholfen hinsetzte und ihn mit großen Augen anstarrte. "Na Kleines?" fragte er sanft. "Was machst du denn hier?"
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