Der Städtebund von Tangara > Brega

In der Umgebung von Brega.

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Vanion:
Wortlos trat Vanion zu der kleinen Kenderin, die sich in ihren Umhang gehüllt hatte. Ein zufälliger Beobachter hätte sie wahrscheinlich übersehen, vielleicht geglaubt, einen Baumstumpf zu sehen. Er wusste nicht so recht, was er nun tun sollte - er ahnte, worum es ging.
Wenn Anders nichts sagen würde, nun gut, dann wäre es so - aber sie hätte ihm wohl kaum verraten, wo sie sich versteckt hatte, wenn sie weiter schweigen wollte. Stumm hockte sich der Knappe neben das dünne Wesen und legte leicht die Hand auf ihre Schulter.

Anders:
Anders Blick war nach vorne in den Wald gerichtet. Sie schaute einfach gerade aus, als Vanion sich neben ihr niederließ. Allerdings sagte sie erstmal nichts, schaute einfach nur. Warum hatte sie Bescheid gegeben wo sie war? Nun sie wollte nicht das er durch den Wald stolperte und sich noch was brach.
schließlich schüttelte sie unwirsch den Kopf.
"Warum sagt er sowas?", fragte sie und schaute Vanion an, so als ob er schuld daran wäre, was Simon gesagt hatte. Was natürlich totaler Blödsinn war, aber sie war gerade unzufrieden und Simon war nicht hier. Der saß am Feuer...
"Ich meine.... warum sagt ihr immer sowas? Sowas wie... ich glaub ich bin verflucht! Wer weiß ob ich den nächsten Kampf überlebe? Vielleicht bin ich morgen Tod! Oder ach so wichtig bin ich nicht! Warum sagt ihr sowas?"
Wütend warf sie einen Tannenzapfen von sich in den Wald. Er prallte dumpf von einem Baumstamm ab und schlug dann raschelnt im Laub auf.
"Es ist doch war. Wenn er verflucht wäre wüsste er das! Selbst ich wusste das ich.... immerhin hab ich es vermutet, aber ich hab nach einer Lösung gesucht, und auch nicht wirklich dran geglaubt! Aber seit den Dingen in der Traumwelt und meinem letzten Aufenthalt in Brega... "
Der nächste Tannenzapfen flog in den Wald.
Dann ließ sie den Kopf hängen und schaute auf ihre Finger.
"Wenn man sowas sagt... weißt du... manchmal hab ich das Gefühl ... ihr wollt gar nicht glücklich werden... So klingt es manchmal..."
Dann hob sie den Kopf an und schaute Vanion in einem weiteren Anflug von Trotz an und meinte: "Aber das stimmt doch nicht oder?"

Vanion:
"Simon hat viel erlebt."
Zumindest das konnte Vanion mit Sicherheit sagen. Er versuchte, sich in Erinnerung zu rufen, was er über Simon wusste - und das war beileibe nicht viel.
"Du hast schon viel über meine Ängste gehört. Darüber, dass ich Angst habe, zu verrohen, dass ich Angst habe, den Tod auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch Angst, die zu verlieren, die ich liebe und achte. Simon.. hat diese Verluste erlitten."
Kann ich ihr von Laura erzählen? Und von Simons ungeborenem Kind?
Der Knappe hoffte, dass Anders den Streit zwischen dem alten Eid und dem Bedürfnis, ihr zu helfen und aufrichtig zu ihr zu sein, im Dunkeln nichts bemerkte. Er raffte seinen Umhang fester um sich und sah zwischen die Bäume. Als jedoch soviel Zeit verstrichen war, dass er unmöglich länger vortäuschen konnte, irgendetwas Interessantes oder Ablenkendes gesehen zu haben, seufzte er und sah Anders direkt an. Ihm fiel auf, dass ihre Augen trotz der Dunkelheit leuchteten und so lebhaft, so lebendig wirkten wie wenig, was er sonst in seinem Leben entdeckt hatte.
"Der Chevalier de Bourvis ist ein Held. Er hat im Namen der Kaiserin einen hohen Platz unter den Kommandeuren des Pilgerzuges eingenommen. In seinem Namen und durch seine Entscheidungen sind viele gestorben, doch noch mehr leben. Außerdem hat er ein ums andere Mal seine Treue, sein Pflichtgefühl und seine Ehre unter Beweis gestellt - die Geschichte über den Tod eines seiner besten Freunde kennst du. Heil Konar, Heil Jeldrik! Er hat zahlreiche Eide geschworen, und ich weiß von keinem, den er je gebrochen hat. Er hat Kriege, Fehden und Ehrenhändel überlebt, und das hat ihn hart gemacht. Ich glaube, er hat Antoine wie einen Sohn geliebt, selbst dann noch, als er die Wahrheit herausfand. Und obwohl er belogen wurde, seine Ehre befleckt wurde, hat er seinen Eid gehalten: er hat Lorainne als Ecuyère an seiner Seite gehalten, war für sie Vater, Mutter, Bruder und Freund. Und dann zwingt ihn die Ehre und der Stand dazu, sein Schwert gegen sie zu führen.

Wenn du ein solches Leben führst - voller Verantwortung, voller Pflichten, gebunden an Haus und Lehnsherr - und wenn du die schlechten, schweren Seiten dieses Lebens ein ums andere Mal gekostet hast, dann fällt es schwer, daran zu glauben, dass alles einmal gut wird. Der Herr Ritter spricht nicht so, damit du dich schlecht fühlst. Er spricht so, weil er möchte, dass wir stets wachsam sind. Stets vorbereitet. Niemals vergessen, was geschehen kann. Rechne mit dem Schlimmsten, und wenn Gutes geschieht, ist es umso schöner."

Nun wünschte sich Vanion, noch einen Schluck Oscronner bei der Hand zu haben. Das Zeug wurde von Mal zu Mal schmackhafter.

"Leonie und Rania - Priesterinnen der Lavinia - versprechen Heil. Sie versprechen Frieden, wo Krieg herrscht, Heilung, wo Schmerzen sind, und Glück, wo Unglück liegt. Sie entfachen Hoffnung, und ihnen blutet das Herz, wenn dieser kleine, helle, warme Funken, den sie in einem Herzen entflammt haben, wieder erlischt. Doch sollte dieser Funken überspringen, ein hoch schlagendes Leuchtfeuer entfachen, dann knien sie nieder und danken Lavinia. Sie sind Idealisten, sie glauben an das Gute und daran, dass es einem stets widerfahren kann.
Simon ist Realist. Er sieht die Bedrohungen, denen er und die seinen ausgesetzt sind. Er sieht lieber einen Feind zuviel als einen zu wenig."

Anders:
Anders sah ihn einen Moment lang schweigend an. Sie schien zu überlegen, zu überdenken was er gesagt hatte. Eine ganze Zeit lang war es still.
Schließlich schüttelte sie den Kopf. "Das erklärt nicht, warum er einfach sagt er sei verflucht!", entschied sie und bließ auf die klammen Finger. "Außerdem macht jeder schwere Zeiten durch.  Ich bin ein Kender, kaum bin ich geboren werde ich von allen Seiten misstrauisch beäugt, mit dem Ziel mir zu Schaden oder mich zu nutzen. Ein Ork wird immer gefürchtet werden egal was er tut. Und was wenn ausnahmsweise mal einer dabei ist der nett ist? Der ist erschlagen bevor jemand darüber nachdenkt. Es gibt viele Wesen die sind von Geburt an,..." Sie wollte nicht verflucht sagten. Sie hasste dieses Wort.
"gebranntmarkt aber unterkriegen lässt man sich davon nicht."
Sie wurde wieder still und dachte darüber nach. "Ich glaube es liegt auch daran, dass Simon so alt ist. Vielleicht ist es einfach nicht mehr stark genug um sich immer wieder gegen den Strom zu stellen... Zumindest immer. hm..."
Wieder dachte sie darüber nach. Anders pflegte oft Selbstgespräche zu führen wenn sie etwas nicht verstand. Wenn man Dinge aussprach konnte man darüber besser nachdenken, so fand sie.
Schließlich senkte sie den Kopf.
"Ich glaub es lag gar nicht bei Simon...", meinte sie schließlich und schaut zu Vanion. "Ich mag es nicht wenn Leute traurig sind. Aber das ist in Ordnung... Nur die Sache mit dem Fluch... Die hat mich wütend gemacht."
Sie seufzte leise und niedergeschlagen.
"Du hast sie noch oder?", fragte sie unvermittelt. Ihr Blick huschte zu dem Beutel an seiner Seite. Sie meinte den kleinen Stein den sie ihm vor einiger Zeit gegeben hatte.
"Wir müssen gut darauf aufpassen. Vielleicht brauchen die Magier ihn und meinen auch um den Fluch zu brechen."
Wieder schwieg sie einen Moment, dann hob sie den Kopf schloss die Augen und lauschte dem Rascheln der Blätter. Ganz langsam kehrte das alte Lächeln wieder auf ihr Gesicht zurück.
Es tat gut das Vanion hier war. Es tat gut nicht mehr allein zu sein.

Mel:
Lorainne runzelte die stirn:"Nicht zuviel auf Dein Gerede geben? Nein, natürlich nicht."
Seufzend legte sie den Kopf in den Nacken und schaute nach oben.
Glänzendes Mondlicht fiel durch die Baumkronen und tauchte die Nacht in silbriges Licht.
"Das Licht glänzt hier fast so, wie zu hause, nur das der Foret seinen eigenen Geruch hat, ist dir das schon einmal aufgefallen?"
Verträumt schloss sie die Augen und lauschte dem Rauschen des Windes. Irgendwie würde sie zu gerne verstehen, was der Wind von seinen reisen erzählte, ob Anders das konnt, den wind verstehen? Oder die Bäume?
Als sie die Augen langsam wieder öffnete, fuhr sie mit ihrem ursprünglichen Gedanken fort:"Wie könnte ich nichts auf Dein Gerede geben? Höre ich nicht auf Deine Rat? Vielleicht sind die Zeiten einfach ZU ruhig geworden."

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