Der Städtebund von Tangara > Brega
In der Umgebung von Brega.
Simon de Bourvis:
Simon liess das so stehen, sein Blick wanderte über die schemenhaft in der Entfernung sichtbaren Hügel und Wälder.
"Alles hier scheint sehr vertraut, wir waren ja auch schon so oft in der Gegend..."
Abrupt erhob er sich und lächelte: "Ziemlich spät schon, ich sollte mich zum Gebet begeben und mit ein paar alten Freunden reden."
Vanion:
"Störe dich nicht an dem, was Simon sagt. Du weißt, dass Worte Macht besitzen. Worte können tiefere Wunden schlagen als jedes Schwert. Wenn du nun jedes einzelne gesprochene Wort auf die Waage legst, es in seiner Schwere gegen dein Unglück pendeln lässt - dann lässt du zu, dass.."
Vanion verstummte. Anders war verletzlich. Durch Worte und Taten. Sie war gewitzt und flink, aber nicht gerade wehrhaft. Wenn man ihre wunden Punkte kannte oder sie auch nur ohne schlimme Absicht berührte, verkroch sich dieses gewitzte und lebensfrohe Wesen in eine harte Schale aus Abweisung und Weglaufen. Sie hatte keinen Grund, Simon zu misstrauen oder zu glauben, dass ein böser Wille ihn dazu gebracht hatte, von Flüchen zu sprechen. Und doch war sie verletzt worden, so sehr, dass sie den Kreis ihrer Freunde fluchtartig verlassen hatte.
"Du nimmst Dinge zu wörtlich, das meine ich. Es führt ja doch zu nichts, höfliche und wohl gesetzte Worte zu finden, oder solange in meinem Gedächtnis zu stöbern, bis ich mich an alles über Simon erinnert habe. Es ist viel einfacher: Simon ist ein alter Haudegen, der viel erlebt hat. Und immer, wenn er dachte, dass er nun die Füße auf den Schemel vor dem warmen Kaminfeuer legen kann, hat irgendetwas oder irgendjemand ihn dazu gebracht, doch wieder auszureiten und Entbehrungen und womöglich dem Tod ins Auge zu sehen. Simon hatte immer die Wahl: sich zurücklehnen und anderen das Feld überlassen, oder aufrecht und ehrenhaft sein Möglichstes zu tun - und dabei eben möglicherweise Schaden zu nehmen. Darum spricht er von einem Fluch. Er meint keine Zauberei damit, er glaubt eher, dass die Götter ihn prüfen, immer und immer wieder, und ihm keine Ruhe geben. Das ist es, was er meint."
Rasch bewegte sich Vanion und hockte sich direkt vor Anders nieder. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und sah ihr eindringlich in die Augen.
"Ja, ich besitze den Stein. Ich werde ihn weder verlieren noch wegwerfen. Was dir geschehen ist, ist ein Verbrechen vor den Göttern, egal ob sie nun aus diesem oder aus anderen Landen stammen. Es liegt nicht in meiner Macht, für Gerechtigkeit zu sorgen. Es liegt auch nicht in meiner Macht, diesen ..Fluch zu brechen. Aber.." Nun zwinkerte Vanion und grinste breit: "Aber ich hab schon sehr viel geredet in meinem Leben. Und ich weiß am besten, dass Worte zwar Gewicht haben - aber das Worte nunmal auch Wind sein können. Nimm es dir nicht zu so zu Herzen, was Simon sagt. Wir wollen alle glücklich sein. Und denk mal nach: wenn Savaric besiegt ist, dann steht dem nichts mehr im Wege. Der Bürgerkrieg hier ist vorüber! Der Schatten aus dem Arden mag nicht besiegt, doch immerhin zurückgeschlagen sein. Der Schwarze Mond, Tailon Orikos, wurde geschlossen. Auch wenn die Grenzen des Engonien, in dem ich groß geworden bin, nicht mehr existieren, so ist es doch meine Heimat. Und es ist endlich, endlich eine friedliche Heimat! Wenn Savaric erst besiegt ist.." Sippenmörder!
Vanion wusste nicht, woher die Stimme kam. Es mochte durchaus sein Gewissen gewesen sein. Er verstummte.
Anders:
Ander lauschte Vanions Worten und ließ sie in ihrem Kopf herum wandern. Ja es machte durchaus Sinn was Vanion sagte. Vielleicht nahm sie die Dinge wirklich zu wörtlich. Nur woher konnte man wissen was die Leute meinen wenn sie Wörter für Dinge benutzen die eine ganz andere Bedeutung haben. Sie würde besser aufpassen müssen. Besser zuhören.
Als Vanion ihren Blick hob, damit sie ihn ansehen musste blickte sie und schaute ihn an.
Er schien wirklich voller Hoffnung und das machte sie sehr froh. Von daher lächelte sie ebenfalls breit und nickte bekräftigend.
"Ja du hast recht. Wenn das alles vorbei ist... Ich würde gern einmal La Follye sehen oder auch deinen Hof."
Sie grinste kurz. "Keine Sorge ich werde auch nicht zu viel Unsinn machen."
Irgendwas schien aber noch zu sein. Ihr viel erst jetzt auf, dass er nicht weiter gesprochen hatte und so legte sie den Kopf schief und eine Hand auf Vanions Schulter.
"Ist alles in Ordnung Vanion? Du hast nicht weiter gesprochen."
Vanion:
"Mir gibt es zu denken, dass wir meinen Onkel töten werden." So einfach war es in Worte zu fassen. "Ich bete, dass ich das Schwert nicht führen muss." Als Anders zu sprechen anhob, unterbrach er sie: "Ich weiß. Er gehört in keiner Weise zu meiner Familie. Doch sind wir blutsverwandt, und die Götter sehen mit Verachtung auf den Sippenmörder herab. Wenn er vor Gericht gebracht würde oder sich einem Gottesurteil stellen würde, wären all meine Sorgen zerstreut. Doch hab ich eben Angst, dass er das nicht tut."
Doch dieses Mal schüttelte der Knappe die Gedanken ab. Er stand auf.
"Lass uns ans Feuer zurückkehren. Was bringt es, sich den Kopf zu zerbrechen? Es wird kommen, wie immer es kommen wird."
Anders:
Anders sprang auf und klopfte sich die Nassen Blätter von der Hose.
Sie würde heute ganz nahm am Feuer schlafen, so viel stand fest.
So nah das sie nicht anschmorte verstand sich.
Sie blickte Vanion an. Ein paar Strähnen fielen ihr ins Gesicht und sie wischte sie weg. Die störten schon jetzt sie würde sie bald wieder in die Zöpfe flechten.
"Wir könnten ihn auch gefangen nehmen.", schlug sie vor und lief zwei Schritte hinter Vanion her. "Ihm einen Hinterhalt stellen oder sowas. Wir müssen ihn nicht töten. Wenn wir ihn gefangen genommen haben kann man ihn doch auch verbannen oder einsperren." Sie verzog das Gesicht. "Das ist eine schlimme Strafe. Eingesperrt zu sein."
Sie überlegte. "Halte sie doch einfach ein zwei Mann oder Frauen in deiner Nähe die mit dir Seite an Seite Kämpfen. Dann musst du im Zufall der Fälle nicht gegen ihn kämpfen und kannst ihn auch nicht töten."
Ein Jucken erreichte ihre Nasenspitze und sie rieb sich darüber.
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