Der Städtebund von Tangara > Brega
In der Umgebung von Brega.
Vanion:
"..und dann seid ihr einfach gegangen?!" Vanion unterdrückte ein schallendes Lachen. Prustend sagte Didier: "Ja! Wir sind einfach davonmarschiert. Die Vorhänge waren völlig zerstört, und wie wir da also rausgehen, laufen uns zwei Huren hinterher - sie hatten die Reste der Vorhänge um sich gerafft und zeterten und schnatterten wie ein wütender Schwarm Gänse! Sie machten soviel Lärm, dass die Stadtwache alarmiert wurde. Nun, wir waren ja nicht dumm gewesen - wir hatten die Beine in die Hand genommen, und uns hat niemand erwischt. Aber natürlich hatten wir der Puffmutter gesagt, wer wir sind - und so klopfte am nächsten Tag ein aufgebrachter Büttel an das Haus der Roussauds. Und da ging es richtig hoch her, hab ich mir erzählen lassen - der arme Monsieur Roussaud! Seine Frau denkt wahrscheinlich noch heute, er hätte dieses Etablissement aufgemischt. Am Ende konnte er nachweisen, dass er es gar nicht gewesen war."
Nun konnte Vanion nicht mehr an sich halten: sein Lachen schallte durch die dunkle Nacht.
Mel:
"Dieser Geschichte lässt es sich wohl leihter zuhören, n´est pas?" war Lorainnes Stimme aus der Dunkelheit zu vernehmen. Rasch erhob sich Didier und grinste Vanion zu, bevor er sich mit einer leichten Verbeugung zurückzog.
"Huren sind sicher interessanter, als alte Sagen, aber diese Sagen sind Teil Deiner Geschichte Vanion. Willst Du denn gar nicht darüber erfahren?"
Simon de Bourvis:
Simon nahm einen grossen Schluck Tee, verzog das Gesicht und nahm schnell einen Schluck aus einem Fläschchen in seiner Gürteltasche
"Da ritt Roderic, Bras de Fer, nach Donnerheim, die grosse caldrische Straße, die, auf der ihr auch nach Brega geritten seid, welche der Räuber Nachtigall seit dreißig Jahren inne hatte, und wo er weder Reiter noch Wanderer vorüberziehen ließ, indem er sie tötete, nicht mit Waffen, sondern mit seinem räuberischen Pfeifen.
Aber der Räuber Nachtigall ahnete sein nahes Unglück, und als Roderic, Bras de Fer, noch zwanzig Schritt weit von ihm entfernt war, ließ er sein starkes räuberisches Pfeifen erschallen. Allein das Heldenherz erschrak nicht, und als er noch zehn Schritt weit von ihm war, da pfiff er so stark, daß das Roß unter Roderic, Bras de Fer, auf die Knie stürzte.
Da gelangte Roderic, Bras de Fer, an sein Nest, das auf zwölf Eichen gebaut war, und der Räuber Nachtigall erblickte den Helden, pfiff aus aller Kraft und wollte ihn töten. Roderic, Bras de Fer, aber nahm seinen Schild ab, ließ ihn fliegen in das Räubernest und traf den Räuber in das rechte Auge. Der Räuber Nachtigall fiel aus seinem Neste herab wie eine Hafergarbe.
Roderic, Bras de Fer, nahm den Räuber Nachtigall, band ihn fest an seinen Steigbügel, und ritt zur berühmten Stadt Donnerheim.
Auf dem Wege stand der Palast des Räubers Nachtigall, und als er bei diesem vorüber ritt, sahen aus den offenen Fenstern die Töchter des Räubers. Da schrie die jüngste: »Dort kommt unser Vater geritten und bringt einen Bauer, an seinen Steigbügel gebunden.«
Aber die älteste betrachtete ihn genau und fing an bitterlich zu weinen. »Das ist nicht unser Vater, der dort reitet, sondern ein unbekannter Mensch führt unsern Vater.« Und sie schrien ihren Männern zu: »Unsere lieben Männer, reitet diesem Bauer entgegen, und entreißt ihm unsern Vater! Laßt keine Schande über unsere Familie kommen!«
Ihre Männer waren mächtige Ritter. Sie ritten aus gegen den Firngarder Ritter und hatten gute Rosse und scharfe Lanzen und wollten Roderic aufspießen. Der Räuber Nachtigall erblickte sie und sprach zu ihnen: »Meine lieben Schwiegersöhne, ladet keine Schande auf euch und erzürnet nicht einen so starken Ritter, damit er nicht auch euch töte. Bittet ihn lieber, daß er zu euch ins Haus komme und ein Glas Branntwein trinke.«
Auf ihre Bitten kehrte Roderic, Bras de Fer, im Palaste ein, ohne ihre Bosheit zu ahnen, denn die älteste Tochter hatte einen Ballen an Ketten über der Türe aufgezogen, um ihn zu erschlagen, wenn er durch das Tor ritte. Roderic aber erblickte sie über der Pforte, schlug sie mit seiner Lanze und tötete sie. "
Anders:
Anders Blick würde leicht betrübt. "Wieso nennt sich ein Räuber wie ein Vogel, der schön Singen kann aber keinem etwS tun will. Er hätte sich lieber akukuck rufen lassen sollen, auch ein Wohle der schön Singen kann aber er stiehlt anderen Vögeln die Kinder und schluckt sie herunter um seine eigenen hinein zu legen."
Sie schüttelte leicht den Kopf. " Ich mag es nicht wenn Leute Namen benutzen ohne sich über ihre Bedeutung Gedanken zu machen. Namen sind wichtig, aber auch ihre Bedeutung. Was ist ein Wesen ohne Namen ein nichts, aber ein Wesen mit falschem Namen ist noch weniger als ein nichts.... Es ist verflucht."
Ein tiefer undurchdringlicher Schatten legte sich bei diesen Worten über die Gesichtszüge der Kenderin, ein Schatten dessen Existenz man nie bei ihr vermutet hätte.
Allerdings schien sie sich genau so schnell zu bemühen ihn wieder ab zu schüttelt und nahm noch einen großen Schluck Tee um sofort wieder zu husten und die Tasse Schluss endlich auszukippen. Das konnte ja keiner trinken.
"Was war mit dem Räuber. War er böse weil Roderic seine Tochter getötet hatte?", fragte sie.
Simon de Bourvis:
"Das ist nicht überliefert...immerhin liess Roderic ihm seine anderen Töchter und seine Schwiegersöhne.
Wir wissen auch nicht, ob der Räuber sich selbst so nannte oder ob er den Namen von den Menschen der gegend erhielt.
Manchmal kann auch etwas schönes, wie Gesang oder Pfeifen dennoch erschreckend sein, vielleicht gerade weil es sonst schön ist....
Wie auch immer, Roderic brachte den Räuber also nach Donnerheim...
gerade auf den Königshof, ging in den Palast, betete zu Alamar und begrüßte den König.
Der König von Caldrien fragte ihn: »Sage mir, guter Jüngling, wie du heißest, und aus welchem Reiche du bist?«
»Ich bin Roderic, genannt Bras de Fer, das bedeutet Arm aus Eisen, ich gehöre zu den Männern von Eirik, dem Grafen von Firngard.«
Der König fragte ihn darauf, welchen Weg er geritten sei. »Von der Küste im Norden bin ich durch die Wälder bis nach Raines geritten und habe bei Raines ein zahlloses Heer von Nordmännern geschlagen und die Stadt befreit; von da bin ich auf dem geraden Wege weiter gezogen und habe den gewaltigen Helden, den Räuber Nachtigall, gefangen, und ihn auch mit mir, am Steigbügel gebunden, hieher gebracht.«
Aber der König wurde zornig und sagte: »Warum betrügst du mich?« – Als dies die Helden Titus von Pfauengrund und Carolus von Voranenburg hörten, eilten sie hinaus, um sich zu überzeugen, und sie versicherten sich, daß er die Wahrheit geredet. Da befahl der König, dem guten Jüngling ein Glas Branntwein zu geben, und die Königin erkannte Roderic, Bras de Fer, und freute sich und machte ihn zu ihrem Ritter.
Da bekam der König Lust, das Pfeifen des Räubers zu hören. Da nahm Roderic, Bras de Fer, den König und die Königin und befahl dem Räuber Nachtigall halblaut zu pfeifen; aber er pfiff ganz laut und betäubte alle Ritter, daß sie zu Boden stürzten. Darüber wurde Roderic, Bras de Fer, so aufgebracht, daß er ihn auf der Stelle tötete."
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