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Rückreise von Ed Lith Onnen nach Engonien

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Sandra:
Sie verließ Anrea so, wie sie hergekommen war - durch einen dichten Nebel und fand sich  in der Kajüte des Schiffs wieder, das Isaac, Fernand und sie in Richtung Engonien bringen sollte. Immerhin hatte sie so den Sturm umgehen können wie es schien, denn das Schiff lag nun schon deutlich ruhiger im Wasser als sie es verlassen hatte.
Verfluchte See!
Die beiden lagen schon länger in den Betten, schließlich gab es für die drei auf dem Schiff sowieso wenig zu tun als nicht im Weg zu stehen - alle drei hatten es vorgezogen, ein paar Silber mehr zu zahlen.
Stella konnte immer noch nicht glauben, dass ihr in dieser dreckigen Taverne in Anrea nicht nur die Gräfin Klara und der übliche Anhang über den Weg liefen sondern auch Rikhard, Runa und Emma - alle drei aus den Mauern der Akademie. Die drei hatten es geschafft auf dem Weg von der Tavensa in die Schlafräume dort zu landen - und Balerian war bald drauf hinterhergestolpert.
Natürlich hatte auch sie schon den Weg aus der Akademie nach Anrea gefunden, doch hatte sie es da auch mehr oder weniger darauf angelegt.

Immerhin war ihr dort auch Arius endlich einmal wieder über den Weg gelaufen, doch der Abend ließ leider keine längere Unterhaltung zu, auch wenn sie sich an diesem Abend wirklich einmal einen starken Arm gewünscht hätte...
Eine Brust, an der sie sich einfach hätte anlehnen können - oder jemand mit dem sie so lange hätte trainieren können, bis sie völlig erschöpft wäre…
Und dazu noch diese Nachfragen von verschiedenen Seiten, wo denn Gorix sei - als wenn es so seltsam wäre, dass sie und er auch mal unterschiedlichen Dingen nachgingen... Nicht nur, dass Reisen, die sie ohne ihn unternahm schon seit ihrer Scolaria-Zeit nichts ungewöhnliches waren.
Als hätte sie keine eigenen Interessen...
Wie schön wäre es da gewesen, seine Wut etwas auslassen zu können ohne dass sie sich um irgendetwas Gedanken machen müsste.

Während sie den Abend noch revue passieren ließ, legte sie langsam und leise Gürtel, Taschen und Schwert ab und sog tief die salzige Luft ein, um sich wieder etwas zu beruhigen und sah schließlich doch zunächst davon ab, ihre Faust in einer der schweren Holzplanken zu versenken.

Während Isaac weiter vor sich hin schlief, schien Fernand von den Geräuschen in der Kabine aufgewacht zu sein und blickte sie fragend an.
Sie machte eine beschwichtigende Handbewegung, um ihm anzudeuten, dass alles in Ordnung war und flüsterte ihm eine kurze Erklärung zu.
Naja, mehr oder weniger...
Nachdem sie sich in die Koje zwischen ihre Felle zusammengerollt hatte war sie auch schon bald, trotz der Laune, vom beständigen leisen knarren der Balken und dem sanften Geschaukel eingeschlafen.

Die Seereise ging noch vier weitere Tage, bis sie am Horizont schließlich die Küste Engoniens erblicken konnten, um genauer zu sein das Hafengebiet von Port Valkenstein.

Sandra:
Im Hafen angekommen holte sie ihre Karte hervor und besah sich den Weg nach Westen, durch Andarra (und das ehemalige Andarra, das nun Valkenstein besetzte), über den Beran und schließlich weiter durch Middenfelz - und dann mal sehen.
Da sie bisher noch keine Ahnung hatte, ob Gorix sich momentan in der Akademie oder seiner Baronie aufhielt, würde sie die Entscheidung zur Weiterreise bis dort vertagen

“Du wolltest doch was von Engonien sehen… Oder dem, was bis vor wenigen Jahren Engonien war.”

Sie deutete mit dem Finger auf der Karte entlang.

“Dann hast du zumindest einen ersten Eindruck und wenn ich bei Gorix war sorge ich dafür, dass du dir die Akademie mal ansehen kannst, wenn du magst. Aber wundere dich nicht, wenn wir plötzlich in irgendeinem Gasthaus in der Pampa sitzen und sie uns einfach über den Weg laufen…”

Sie sah wie Fernand zu einer Frage ansetzen wollte

“Frag nicht… Epische Kausalität und so...Und die passiert uns in Engonien in den letzten Jahren regelmäßig um diese Zeit in den verschiedensten Landstrichen…”



Nachdem sie die Memoria auf ihrem südlichen Arm in de Nähe des Memoriasees überquert hatten, erreichten sie bald auch schon das südliche Seeufer. Zu dieser Jahreszeit hing der Nebel tief in den Gräsern und Bäumen und verdeckte die Landschaft wie ein silberner Vorhang.
Bald sollte die Dämmerung einsetzen, also entschlossen sie sich, hier die Nacht zu verbringen und den Rest der Route zu planen.

“Wartet kurz... Ich finde mal raus, wo Gorix ist…”

Sie kramte aus ihrem Rucksack eine Kiste aus dunklem Holz hervor, klappte sie auf und baute mit zwei kurzen Handgriffen den Kompass auf, mit dem sie sich auf eine Bank vor dem Gasthaus setzte.
Sie konzentrierte sich und murmelte die magischen Worte, mit denen sie einen Stoß in das Astralnetz schickte.
Es dauerte ein paar Augenblicke und ein paar weitere Anläufe, bis die Magierin sich ausreichend sicher war, eine Richtung ausmachen zu können.
Anschließend blickte sie erneut auf den Kompass und ihre Karte und verglich es mit der von ihr bestimmten Richtung.

“Zumindest momentan wahrscheinlich in Feuerklinge, oder grundsätzlich eher Nordwestlich als Südwestlich. Na dann, lasst uns mal reingehen.” sagte Stella und ließ den Kompass wieder in ihrem Rucksack verschwinden.

Zu dritt betraten sie das kleine Gasthaus und während die Theke unbesetzt war, gab es einen Tisch an dem einige Männer miteinander würfelten und zwei weitere Tische, an denen man sich unterhielt. Die restlichen Tische waren leer.
Die meisten ließen sich von ihrer Anwesenheit gar nicht stören, doch ein bärtiger Mann mittleren Alters erhob sich schließlich und ging zur Theke.
Das Gasthaus dürfte zwar häufiger Reisende beherbergen, doch schien an diesem Abend nur die Dorfgemeinschaft hier zu sein.

“N’abend die Herrschaften, was darf’s sein?” brummte er.

“Guten Abend, wir bräuchten einen Schlafplatz und hätten gern etwas zu essen und zu trinken. Was könnten Sie uns anbieten?” fragte Stella freundlich.

“Nu, wir haben en größeres Gemeinschaftszimmer mit fünf Betten, zwei mit zwei Betten für und drei Einzelzimmer. Zu Essen haben wir Erbseneintopf mit Wurst oder ne Brotplatte mit Käse, Wurst, Ei und so und zu trinken haben wir Brunnenwasser, Bier hell und dunkel, Wein und Met.”

Sie sprach sich kurz mit Isaac und Fernand ab was die Zimmer anging und sie entschlossen sich für das Gemeinschaftszimmer, das sie sowieso alleine zu beziehen schienen.
Fernand entschloss sich für die Brotplatte mit Wein, Isaac für Met und den Eintopf und Stella bestellte ebenfalls den Eintopf und dazu ebenfalls einen Met.

Der Ecktisch sah einladend aus und so ließen die drei sich dort mit Speis und Trank versorgt nieder.
Stella holte die Karte wieder hervor und löffelte nebenbei ihren Eintopf.

“Ui, der ist wirklich gut. Und schön warm.”

Sie besah sich die Karte genauer und sah sich die verschiedenen Optionen an, die sie den anderen beiden ebenfalls zeigte.

“Hmm… dann können wir entweder das Schiff nehmen oder besser gesagt Kahn, über den Alva-See bis Ahrnburg oder Engonia. Oder über die Lahne in Richtung Brega und durch Hahnekamp… Nicht der beste Weg, da wird der Einfluss der Inquisition immer größer…Ein Stück durch Hahnekamp lässt sich leider nicht vermeiden, aber um Engonia herum ist es zum Glück weniger problematisch…Ahrnburg lassen wir aus dem selben Grund auch besser sein - außer wir wollen dem Großinquisitor persönlich nen schönen Tag wünschen… Kann ich drauf verzichten… Und zu dritt sind wir leider weniger auffällig und langsamer als alleine und zu Pferd…Oder direkt per Wegstein…
Deshalb wäre mein Vorschlag einfach direkt das Schiff bis vor Engonia zu nehmen und lieber das kleine nördliche Stück durch Hahnekamp zu reisen....”

Isaacs Gesicht verriet Bände darüber, wie begeistert der Feuermagier von der erneuten Schiffreise war, doch anhand der politischen Lage stimmten beide der gebürtigen Engonierin zu.
Man verbrachte noch einen gemütlichen Abend bei dem einen oder anderen Wein oder Met bis man sich schließlich schlafen legte.


Am nächsten Morgen nahmen sie am Anleger ein Boot, das sie vom Memoria See bis Engonia mitnehmen würde.
Je weiter sie Richtung Osten kamen, umso schlechter wurde auch das Wetter. Zunächst wurde es nur grauer, dann fing es an zu regnen. Zunächst nur einzelne Schauer, doch schon bald hatte es sich offensichtlich eingeregnet und es machte nicht den Eindruck, dass es vorhätte wieder aufzuhören.
Als sie den Alva See erreichten, regnete es schon nur noch Bindfäden.
Nun ging es an die Überfahrt und man merkte deutlich wie der Wind hier zunahm nachdem man sich von der Küste etwas entfernt hatte, die Berge am Horizont als grobes Ziel.
Am zweiten Tag konnte man die Hand fast nicht mehr vor Augen erkennen und ein heftiger Wind setzte ein, was allerdings den Nebel wenig beeindruckte.
Entsprechend viel Zeit verbrachten die drei Reisegefährten die nächsten Tage unter Deck, bis der Kapitän schließlich mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck den Kopf in die Kajüte steckte.

“Mir müsse anlegen, bei däm Wedder jeiht he nix mieh.” Von seinem Schnurrbart tropfte der Regen schon auf den Fußboden der Kajüte.

“En ener halven Stund’ simm’r do.”

Verwirrt sahen die drei sich an und Stella fragte sich, wo er denn bitte anlegen wollte, wenn nicht in Engonia, immerhin war es dann sowieso nicht mehr weit.

Sie steckte als erste die Nase heraus in das Regenwetter, doch viel zu sehen außer einheitliches Grau gab es nicht. Und es war nass - nicht ganz so nass wie die letzten Tage, aber immernoch nass.
Immerhin hatten sie noch ein paar Stunden, um das nächste Gasthaus zu erreichen, in der Hoffnung, bei diesem Wetter nicht ohne Unterschlupf dazustehen, und so machte man sich auf den Weg.

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