Die Gebiete in Caldrien > Das Caldrische Imperium

Die Stille des Winters

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Vanion:
Nichts schien sich verändert zu haben. Der Gutshof von La Follye wirkte aus der Ferne klein, doch der helle Rauch, der aus den Kaminen aufstieg, erzählte von dem Leben, das die Firngarder hier oben führten. Obwohl er früh von Voranenburg im Süden aufgebrochen war, hatte es ihn nicht überrascht, die Schneeflocken zu erblicken, die hier im Norden den Regen vertrieben hatten. Der Schnee hatte eine weiche, weiße Decke über die Hügel gelegt, die die Landschaft hier prägten. Sanft stupste Vanion seinem Rappen die Fersen in die Seite, sodass das brave Pferd lostrottete.

Als er den Gutshof erreichte, fand er das Tor geöffnet vor. Er lenkte sein Pferd in den Innenhof, und niemand hielt ihn auf. Sein Wappen verriet den Menschen hier, wer er war, und immer noch gab es genug, die ihn mit Misstrauen, ja, offener Verachtung ansahen. Ihm schien, als seien es weniger als früher, die die Stirn in Falten legten, doch waren es wohl noch genug. Dennoch wurde er höflich begrüßt. Man half ihm vom Pferd herab, das man in die Stallungen brachte, und begleitete den Chevalier aus Roquefort hinein. Ihm wurde eine Waschschüssel gereicht, dessen warmes Wasser mit Kräutern versetzt war, und man reichte ihm ebenfalls gewürzten und erwärmten Wein. Vanion bedankte sich höflich, dann fragte er: "Où est le vieil armurier Fulk? Ce serait un plaisir pour moi de lui parler."

Lorainne:
Die Magd, die ihn noch als Knappe kennengelernt hatte, unterdrückte ein Grinsen. Sein Firngardisch strotzt zwar nicht mehr vor Fehlern, doch die Aussprache klang immer noch wie die eines Mannes, der die Sprache des engonischen Nordens fremd war.
Sie hängte seine Sachen nach ans Feuer, damit sie trocknet und antwortete freundlich:"Er liest den Kindern gerade etwas vor, schätze ich. Das tut er immer um diese Zeit. Kennt ihr den Weg zur Bibliothek noch?"
Bibliothek war zwar übertrieben, es war eher ein grosses Schreibzimmer, allerdings befanden sich dort auch sämtliche Bücher LaFollyes. Der ganze Stolz der verstorbenen Catherine de LaFollye.

Vanion:
"Aber natürlich!" Vanion bedankte sich freundlich. Der Weg zum Schreibzimmer dauerte länger, als er angenommen hatte - da er sich am Ende doch nicht mehr so recht erinnerte. Aber nachdem er einmal in einem Zimmer gelandet war, das offensichtlich nicht die Bibliothek war, hatte er es geschafft. Leise betrat er den Raum und lauschte der Geschichte, die Fulk den Kindern erzählte. Er verstand nicht alles, dafür war Fulks Akzent zu sehr von diesem Land geprägt - aber er machte auch keine Anstalten, den alten Mann zu stören. Die Kinder hingen gebannt an seinen Lippen.

Lorainne:
Es war warm in dem Raum, Funk saß in einem bequemen Stuhl,  sein Rücken war krumm geworden, die Haare weiß und Eine Haut schien fast durchsichtig. Doch seine blauen Augen waren immer noch klar und seine Stimme fest.
"...und dann rannten sie den Hügel hoch, pour la reine riefen sie, und standen der Hexe gegenüber. Und wie das weitergeht, erfahrt ihr morgen. Jetzt husch, tragt das Essen auf, wie ihr seht haben wir einen Gast."
Funk klappte den Lederband zu und nickte Vanion zu.
Die Kinder beäugten den Mann neugierig, und ein Mädchen lächelte den Vanion an. "Monsieur, Wie geht es Jeanne?"
 Ein kleineres Mädchen, etwa halb so alt, legte schüchtern hinter dem Rücken der älteren hervor.
"Mademoiselle, wo bleibt Dein benehmen?" tadelte Fulk.
Er deutete Vanion, sich zu ihm zu setzen.
"Verzeih, aber diealten Knochen tragen mich nicht mehr so gut."

Vanion:
"Jeanne geht es hervorragend, junge Dame. Sie ist frecher als je zuvor."
Vanion grinste bei seinen Worten, dann widmete er sich Fulk und nahm seine Einladung, sich zu setzen, an.

"Es ist schön, dich zu sehen, Fulk. Wie steht es um La Follye?"

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